Freitag, 8. April 2011

Dirty Termini

"Na" nuschelt sie mit gut gefülltem Mund, "du stehst wohl auf französisch, wie?"

Was soll denn diese Frage gerade jetzt? Was glaubt sie, da im Mund zu haben? Merkt man doch wohl, dass ich darauf abfahre.

"Nee, ist schon schlimm genug, wenn du mit vollem Mund deutsch redest. Keine Fremdsprachen bitte, mach einfach weiter mit dem, was du tust!"

Französich, griechisch, englisch, russisch... Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Und wie ist das mit den damit bezeichneten Sexualpraktiken in Bezug zu bringen?
Um das ganze Mal zu benennen, und die weniger sexuell orientierte Leserschaft nicht von vornherein auszuschließen, bringe ich die Begriffe mal in Zuordnung:

Französisch = Oralsex (vornehmlich Fellatio, der Cunnilingus ist, wie im richtigen Leben, ein wenig im Hintertreffen)
Griechisch = Analsex (funktioniert entgegen landläufiger Meinung auch bei heterosexuellen Pärchen gut. Zum Beispiel während der Periode, aber auch sonst)
Russisch = Griechisch für Hämorrhoidengeschädigte (Befriedigung mittels Verkehr des zwischen den Pobacken - oder der Schenkel - eingeklemmten Penis)
Englisch = Rollenspiele aus dem erzieherischem Bereich, BDSM für Spießer
Spanisch = Russisch für Busenfetischisten, gern auch "Tittenfick" genannt
Italienisch = Verkehr mittels eindringen des Penis in die Achselhöhle des Partners
Serbisch = Besonders rücksichtsloser Sex in Form einer gespielten Vergewaltigung
Indisch = Sex mit vielen, sich ständig abwechselnden und irrsinnig komplizierten Stellungen, eher was für Zirkusakrobaten

Amerikanisch gibt es übrigens nicht, obwohl auch Amerikaner gerüchteweise Sex haben. Sie dürfen nur nicht drüber reden.
Deutsch dagegen gibt es. Es handelt sich hierbei um die gute alte Missionarsstellung, welche zu unrecht als langweilig verrufen ist. Kommt halt immer drauf an, was man daraus macht.

Soweit, so gut...

Ich kannte mal eine Französin.
Marie...
Die konnte schon nicht küssen; mir vorzustellen, was die mit ihrem Mund in tieferen Regionen meines Körpers angestellt hätte, widerstrebt mir. An der konnte es wohl eher nicht liegen, dass wir ihre Nationalität mit Oralsex in Verbindung bringen.
Außerdem, wenn Franzosen ihr Liebesleben lutschend und leckend gestalten, warum gibt es dann so viele von denen? Gerade bei der Abneigung, welche die Angehörigen der Grande Nation gegenüber allem Fremden hegen, dürfte es doch um deren Geburtenrate dann nicht gerade gut bestellt sein.
Oder sollten die doch heimlich hin und wieder "deutsch" praktizieren?

Apropos deutsch, meinen Erfahrungen nach sind wir in diesem Zusammenhang dann ja wirklich Multikulti.
Trotzdem sinkt bei uns die Geburtenrate.
Das scheint also nicht an den Fähigkeiten im Umgang mit anderen "Sprachen" zu liegen; vielleicht eher daran, dass selbige recht wenig mit dem Zeugungsakt an sich zu tun haben.
Bringt mich der gut gemeinte Ausruf "Deutsche, macht's öfter deutsch!" nun auf eine Stufe mit Herrn Sarrazin?
Ach, dann macht's doch, wie ihr wollt...

Hauptsache, es macht Spaß :)



© Michael Pils

Mittwoch, 6. April 2011

Angebot und Nachfrage

Ich bin ja lange Zeit ein bekennender Fan japanischer Sportwagen gewesen.

Im Ernst; ich habe sie alle gefahren. 100 NX, 200 SX, nen Z, eine Eclipse, einen 3000 GT und zwei Celicas. Nur einen nicht.
Ich hatte nie einen Skyline GT-R.
Den gab es nämlich nur als Direktimport aus Japan, oder über englische Grauhändler und hat daher unverhältnismäßig viel gekostet. Nicht, dass er mir den horrenden Betrag, der für die Reise nach Japan, den Kauf vor Ort, das Exportgehadere mit Containeranmietung und drei Wochen Schiffstransport nicht wert gewesen wäre. Ich hatte, simpel gesagt, soviel Geld einfach nicht zur Verfügung.

Nun sollen ja Direktimporte aus Japan neuerdings einen ziemlichen Preisverfall haben.
Hört man so.
Hm...

Gut, das ist jetzt vielleicht nicht wirklich lustig.
Soll es aber auch gar nicht sein. Der Hintergrund der Überlegung ist nämlich ein sehr ernster.
Nicht unbedingt todernst - aber nahe dran.

Gestern ist in den Nachrichten beiläufig erwähnt worden, dass die Herren Atomkraftwerkbetreiber in Fukushima jetzt damit beginnen, schwach kontaminiertes Wasser aus den überlaufenden Kühlbecken ihrer geplatzten Reaktoren ins Meer zu leiten. Wieviel Wasser das ist, wurde nicht erwähnt, aber nach drei Wochen verzweifelten Kampf um die teure Reaktortechnik dürfte es sich dabei nicht um zwei oder drei Liter handeln. Eher wohl um mehrere hunderttausend.

Wasser befindet sich in einem Kreislauf. Mir ist das einmal sehr beeindruckend im Klimahaus vor Augen geführt worden. Wenn hier bei uns in der Nordsee Schwermetall verklappt wird, sind die Auswirkungen davon in einer berechenbaren Zeit im Alaska Seelachs, der dann hier bei mir um die Ecke zu Fischstäbchen verarbeitet wird, spürbar. Die Meeresströmungen sorgen dafür.
Wenn in Amerika ein Industrieller den Baggersee hinter seiner Fabrik als Müllkippe für giftige Chemikalien (gibt es auch ungiftige Chemikalien?) mißbraucht, wird bei uns irgendwann der Salat sauer. Die Verdunstung und das anschließende Abregnen der dadurch entstandenen Wolken sorgt dafür.

Wenn in Japan ein Hafen verstrahlt wird, werden bei uns drei Wochen später die Fische im Dunklen leuchten.
Drei Wochen, wenn wir uns an die Importproblematik des anbetungswürdigen GT-R von oben erinnern, ist die Zeit, die ein Containerschiff aus dem japanischen Meer bis hierher, vor meine Haustür, benötigt.

Ich bin mal gespannt, was in den Schiffen hierher transportiert wird.
Vielleicht ja Strahlenschutzanzüge.
Aus japanischer Produktion.
Das kurbelt dann die am Boden liegende japanische Wirtschaft wieder an. Im Rahmen der allgemeinen Solidarität mit dem armen Volk dort wäre das ja zu begrüßen. Man bringt ja gerne Opfer.

Ich denke, ich kaufe mir doch den GT-R.
Wenn er dann ankommt, in drei Wochen - per (verstrahltem) Schiff - habe ich immerhin somit die Möglichkeit, mich mit Höchstgeschwindigkeit von hier abzusetzen.
320 Sachen fährt die Karre.
Vielleicht reicht das gerade noch so...

...mal so gesehen!

© Michael Pils

Donnerstag, 24. März 2011

Moratorium - Mysterium

Also, dass muss ja mal gesagt werden.

Die Regierung ist nach der Katastrophe in Japan wirklich fix damit gewesen, endlich mal im Sinne des Volkes etwas zu unternehmen, damit uns ähnliches wie im Land der explodierenden Kernkraftwerke aufgehenden Sonne erspart bleibt. Mutig und ohne lang Vor- und Nachteile abzuwägen wurde die einst beschlossene Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke mit Hilfe eines Moratoriums ausgesetzt um umfassend zu prüfen, ob sie wirklich so sicher seien, wie vor kurzem noch mit fester Überzeugung behauptet wurde.

Ach, ist das so?

Wenn da nicht die Fremdworte wären...
Was ist das eigentlich, ein Moratorium? Klingt ja beeindruckend, irgendwie nach Moral, und hat etwas sakrales an sich.
Wikipedia hilft hier gerne weiter:

Ein Moratorium (lat. morari für „verzögern“, „aufschieben“) ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu unterlassen oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen.
Es bezeichnet insbesondere:
  • bei strittigen Projekten (Flughafenbau, Flussbegradigungen, Kernkraftwerkslaufzeiten usw.) eine Unterbrechung der Arbeiten mit dem Ziel, durch Verhandlungen einen Kompromiss zu finden;
  • (...)


War wohl nix mit Moral...
Das allererste, was ich getan habe, als ich die Rede unserer Kanzlerin verfolgte, in der sie dieses politische Mittel ankündigte, war: den Wahlkalender zu Rate zu ziehen.
Interessant, wo in den nächsten drei Monaten, also der Laufzeit des Moratoriums, überall in diesem Land während des "Superwahljahres 2011" gewählt wird, oder bereits wurde:

- Sachsen-Anhalt (20. März)
- Baden-Würtemberg (27. März)
- Rheinland-Pfalz (27. März)
- Hessen (27. März - Kreiswahlen)
- Bremen (22. Mai)

Merkt jemand was?

Bis Ende Mai sind dann fünf wichtige Wahlen absolviert, in denen eine ganze Menge Wähler ob der mutigen und volksnahen Entscheidung der Regierenden wahrscheinlich mächtig beeindruckt davon sind, dass man so schnell und unkompliziert auf ihre Ängste und Sorgen bezüglich des Schreckgespenstes Atomkraft eingeht.
Das ist ja endlich mal richtig Demokratie. Das Volk geht auf die Straße und will keine Atomkraft mehr - und die Kanzlerin stellt sich hin und schaltet die Kraftwerke ab. Einen solchen Vorgang nennt man in der Politik "Moratorium", ganz sicher ist das so.

Wie enttäuscht werden diese Wähler wohl sein, wenn die Aussetzung der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke im Juni einfach ausläuft und das Gesetz zu eben dieser Verlängerung ebenso legal, wie stillschweigend zur Anwendung kommt?
Oder ist die Aufregung bis dahin so weit abgeklungen, dass man keine Notiz mehr davon nimmt?

An Ablenkung von diesen Umständen wird ja schon fleißig gearbeitet, indem die Regierung ihren Willen zu absoluter Friedfertigkeit dadurch äußert, dass alles deutsche Militär aus Gebieten abgezogen wird, in denen man Gefahr laufen könnte, ein arabisches Volk bei seinem Streben nach Freiheit unterstützen zu müssen (während weiter still und heimlich ein im Gegensatz dazu völlig sinnfreier Krieg in Afghanistan geführt wird).

Und wenn das alles nicht hilft, wird halt in den Nachrichten einmal wieder ein Zickenkrieg bei DSDS vorn angestellt. Möglichkeiten gibt es viele.

Nur eines ist utopisch:

Dass die Kanzlerin sich vor eine Kamera begibt um sich artig für die vielen Wählerstimmen zu bedanken, die sie sich und ihrer Partei mit diesem Verrat am Volke gesichert hat.

Das wäre dann zwar taktisch unklug - aber wenigstens ehrlich.
Doch Ehrlichkeit hat in der Politik nichts verloren.

Schade, mal so gesehen...
© Michael Pils

Donnerstag, 17. März 2011

Und Gott sprach:

"Versklavt die Erde, zerstört sie und beseitigt alles Leben!"

Wie bitte?
Ach so, er sagte "...und macht sie euch untertan und herrscht..."?
Untertan, herrschen, meine Güte - wollen wir uns doch nicht an Begrifflichkeiten festhalten, oder? Was Gott uns in der Dominium terrae mitteilt, meint doch nichts anderes, als was wir daraus gemacht haben!

Gen 1,28: Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Na bitte, dann ist doch alles klar. Wie ein Herrscher das eben so tut, nehmen wir uns, was wir brauchen, laugen die Erde aus bis zum geht-nicht-mehr und lassen überall, wo wir uns ausbreiten, nichts als Chaos und Zerstörung zurück. Haben doch die Herrscher, die wir uns erwählt haben, schon seit Urzeiten nicht anders gemacht.
Könige haben ihre Völker verhungern lassen und nahmen ihnen Hab und Gut, wenn sie ihre Abgaben nicht zahlen konnten. Dafür durften die Bauern dann in den Krieg ziehen, wenn es den König juckte.
Päbste haben die Gläubigen bis auf den letzten Taler ausbluten lassen; gefoltert und getötet, sobald sie auf jemanden stießen, der ihre Macht gefährdete - oder das Geld hatte, welches die Kirche dringend brauchte.
Politiker lebten immer schon auf Kosten ihrer Untertanen und belogen und betrogen sie im Ausgleich dafür.
Firmenchefs sehen heute noch ihre Angestellten gern mal in Zahlen, statt aus Fleisch und Blut, und lassen bei ihren Entscheidungen jegliche Menschlichkeit missen. Solange es ihrem eigenen Reichtum Wohl zu Nutze ist.

Und eben so gehen wir mit der Erde um. Umwelt gibt es doch genug, was macht da das eine oder andere verschmutze Meer schon aus?
Was der eine oder andere Quadratkilometer verseuchter und zerstörter Erdboden?
Wir brauchen schließlich keinen Sand, kein Gras und keine blöden Regenwürmer.
Nein - wir brauchen Öl!
Und Strom!
Und Bodenschätze!
Schließlich ist die Erde, verdammt nochmal, unser Untertan. Die hat sich gefälligst zu fügen und uns zu ernähren. Und Geld, Geld muss sie uns bringen. Schließlich sind wir die Herrscher in diesem Spiel.
Gott hat das gesagt.

Aber hat er das auch gemeint?

Neuere Übersetzungen des hebräischen Originaltextes der Genesis haben da ein Problem entdeckt.
Das Verb "kadasch", welches bisher mit "untertan machen" übersetzt wurde, bedeutet auch "als Kulturland in Besitz nehmen", oder "dienstbar/urbar machen" - das Verb "radah" meint statt "herrschaftlich auftreten" auch den Umgang eines Hirten mit seiner Herde.

Meinte Gott am Ende dann vielleicht doch "...macht die Erde fruchtbar und kultiviert sie und kümmert euch fürsorglich..."?
Wie peinlich, dass selbst diejenigen, zu denen Gott angeblich spricht, das bisher gar nicht so verstanden haben.
Vielleicht haben sie nicht richtig zugehört.

Ich weiß, man nennt mich Spinner - aber wie wäre es denn, wenn wir - wir alle(!) - uns Gedanken um das machen, was wir als gewohnte Herrscherstrukturen anerkennen? Wie wäre es, wenn wir von einem Herrscher mehr fordern, als seinen Reichtum zu mehren? Und wenn wir im kleinen damit beginnen?
Wie wäre es, wenn wir mehr darauf achten, welchen Sinn Worte ergeben, die wir lesen, statt sie einfach nur vorbehaltlos zu akzeptieren? Und dann einfach umdenken?

Möglicherweise würde uns das bewahren.
Vor dem, was man heute "Tsunami" nennt.
Früher hieß es "Sintflut"...

Mal so gesehen.
© Michael Pils

(Siehe auch: Wikipedia)

Freitag, 11. März 2011

Ein grauenvoller Morgen oder wie ich dem Tsunami zuschauen muss




Ein Tag kann sehr schön beginnen. Man steht mit einer Tasse Kaffee am Fenster und schaut wie die Märzsonne dem Himmel in wunderschönen Farben emporsteigt und gleichzeitig überlegt man sich was man heute schönes machen möchte.

Ein Tag kann aber auch damit beginnen, wie man mit seiner Tasse Kaffee vor dem TV sitzt, da man irgendwie über den Stand der Dinge bescheid wissen möchte und sich die Nachrichten reinzieht. IN einer Nacht tiefen Schlafs kann so sehr viel geschehen.

Zwischen zwei irgendwie seichten Beiträgen, zur naiven Unterhaltung des Zuschauers, wird eine Eilmeldung dazwischen geschoben, das ein Tsunami gerade die Nordküste Japans überflutet, nach dem das schwerste Erdebeben seit 80Jahren das Land erschüttert hat. Kraftwerke stehen still. Ölraffinerien brennen sowie alleine in Tokio über 12 Großbrände entflammt sind.

Ein Schreck in der Morgenstunde. Großes Entsetzen und Mitgefühl für alle Betroffenen und die ersten Bilder, wie die Welle sich in Windeseile über das Land hinwegzieht, machen mich sehr nachdenklich.

Der nächste Schönheitsratgeber, den dieser private Sender zu bieten hat, wird eingeblendet und ein kleiner 7 jähriger Junge, welcher weiß wie eine Erdbeben entsteht, möchte nun wissen wie ein Tsunami entsteht.

Der Beitrag im TV ist immer noch im Gange und die sachliche, fachliche und kindgerechte Erklärung für das Kind auch, als auf einmal die bildliche Darstellung gecuttet wird und man eine riesige Flutwelle vor Augen sieht.
Die Worte des Moderators: „Hier können wir live sehen, wie gerade die zweite Flutwelle, von einer Größe von mind. 10Metern die Ostküste von Japan erreicht.“
Dann folgen stumme Luftaufnahmen, die die Welle begleiten.
Kein Wort.

Entsetzen über die mediale Gestaltung macht sich breit. Welch Sensationslust soll hier verbreitet werden. „Ich möchte nicht hilflos Opfer einer solchen Darbietung werden.“
So wird mit der Fernbedienung geschaut, ob sich auch andere Sender diesem Ereignis auf die gleiche Weise widmen und eine Liveübertragung gestartet haben.
Erleichterung.
Zum ersten Mal, kann man sich seit dieser Amtsperiode, auch über den Außenminister freuen.  Dennoch möchte man wissen, wie weit wird auf der anderen Seite das Spiel getrieben. Soll der Zuschauer wirklich dabei sein, wenn die sozusagen dritte Naturkatastrophe, hintereinander, über das flächenmäßige doch sehr kleine Japan hereinbricht. 



Die erste Vorwelle zerbricht gerade am Strand und breitet sich aus. Für den Kameramann im Helikopter heißt das, jetzt schwenken wir mal auf die aufgebäumte Wasserwand, wie sie sich immer schneller auf das Land zurollt.
Es sind ja nur noch einige Meter.

Ein Stoßgebet wird zum Himmel geschickt. „Besinnt Euch. Seit vernünftig. Es ist doch schon grausam, das wir Menschen die Erde so sehr ausbeuten, das sie sich nicht mehr anders zu wehr setzen kann. Doch bitte, hört auf mit dieser Sensationsgier.“
Wahrscheinlich ging es irgendjemanden im Sender ebenso, denn mit einer Werbeunterbrechung endete genau da die Liveübertragung.

Erleichterung macht sich breit, denn das wäre für einen Morgen wie diesen zu viel gewesen. Wenn gleich man vor diesem Geschehen auch nicht die Augen verschließen darf und soll. Dennoch sollte sich die Sensationslust zurückhalten und eine Liveübertragung einer so großen Naturkatastrophe ist einfach nur widerlich
.
Hilflosigkeit macht sich breit, mit dem Wissen welch Grausamkeit die Menschen vor Ort jetzt in dem Moment durchleben müssen. Über die globalen Auswirkungen, wenn ein solches Drama, in einem wirtschaftlich nicht so unbedeutendem Land, geschieht.



Das sind dann die Momente in denen ich, Emma, mir wünschte das die Menschen endlich beginnen aufzuwachen. Nicht nur in ihrer Gier von Profit und Macht alles herunter wirtschaften. In ihrem Geltungsdrang und ihrer Senationslust sich an so etwas aufgeilen und vergleichen, nur damit sie einmal nach langer Zeit das Gefühl haben, ach wie geht es mir doch gut.
Gleichzeitig sollten alle medialen Verfügbarkeiten sensibler und auf hilfreicher Weise eingesetzt werden und nicht um noch eine Ausbeute daraus zuziehen, nur um Anerkennung auf dem wirtschaftlichen Markt zu profilieren.


© by Emma (11.3.2011)

N24

Tagesschau 


Montag, 21. Februar 2011

Liebesbeziehung? Beziehungsliebe? Und was Wein damit zu tun hat...

Was ist das eigentlich, was wir immer mit Beziehungen haben?

Diese Betonung auf "Das ist eine Beziehung" - "Das ist so keine Beziehung"?
Werfen wir doch mal ein Auge darauf, was eine Beziehung eigentlich ist:

Ich unterhalte Beziehungen zu vielen Menschen, einige sind geschäftlicher, andere privater, und wieder andere sind freundschaftlicher Natur. Was drückt das nun aus?
- Es gibt einen Bezug, zu dieser oder jener Person?
- Ich beziehe mich auf irgendetwas, was diese Person betrifft?
- Es zieht mich zu dieser Person hin?

Hm...

Das englische Wort für "Beziehung" ist "relationship". Dieses Wort ist dem lateinischen "Relatio" entlehnt, was wiederum soviel wie "zurücktragen" bedeutet. Zurücktragen? Aha... Der eine trägt etwas irgendwo hin, der andere trägt es zurück. Gemeinhin nicht wirklich das, was man unter Beziehung versteht, kann sowas doch schnell mal zu Ärger führen, wenn beide sich gegenseitig ständig den Kram irgendwo hintragen.
Möglich, dass hier aber eher "Nachtragen" gemeint ist. Das kommt dann schon wieder hin, in einer Beziehung ist man ja gerne mal nachtragend, wenn einer von beiden Mist gebaut hat - obwohl das ja auch nicht im Sinne des Erfinders Beziehungsmenschen sein kann.

Aber halt, da gibt es ja noch den ins deutsche getragenen Ausdruck "Relation", der dann wiederum auch von "Relatio" abgeleitet ist. Eine Relation ist das, was das Verhältnis zweier Gegenstände zueinander beschreibt.
Sieh an, aus der Beziehung wird ein Verhältnis - im allgemeinen ein eher negativ behaftetes Wort, ist ein Verhältnis doch etwas, was gerne im Verborgenen bleibt, in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hat.

Nein, das kann es auch nicht sein...

Ich glaube, die Suche nach dem, was eine "Beziehung" für uns ist, führt in die gleiche falsche Richtung, wie der gemeinhin gegangene Weg, um eine solche zu haben. Warum den Weg nicht einmal neu beschreiten?

Warum nicht einfach mal jemanden kennenlernen ohne die Erwartung an eine wie-auch-immer-geartete Beziehung zu haben, sondern einfach alles auf sich zukommen lassen und versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden? Herausfinden, was verbindet mich mit diesem Menschen, wo fühlen wir gemeinsam, wo sind die Momente, in denen ich ihn um mich haben möchte. Können wir miteinander reden, träumen, planen? Gemeinsame Ziele setzen?

Und jetzt die Überraschung: Eine "Beziehung" habe ich dann schon längst - aber wenn der Faktor Zeit diese in Stille reifen lässt, wird etwas besonderes daraus.
Klingt fast ein wenig nach dem Verfahren, wie guter Wein ensteht...

Vielleicht sind Winzer diejenigen, die wissen, wie eine Beziehung funktioniert.

Ich werde mal einen fragen...

So dann, Prost - mal so gesehen!


© Michael Pils

Samstag, 12. Februar 2011

Valentinsverwirrung

Freut ihr euch auch schon alle auf Montag?
Richtig, am Montag ist der 14. Februar - der von den Blumenhändlern erfolgreich auch hierzulande propagierte Valentinstag.
Der Tag der Liebenden.

Komisch, ich dachte immer, für Liebende ist jeder Tag ein besonderer Tag.

Aber der Valentinstag ist, gemäß der Damen und Herren von Fleurop dann eben der besondere unter den besonderen Tagen, der Tag an dem man "...hab dich lieb" sagt.
Macht man sonst auch, zumindest viele von uns, mich inbegriffen.
Aber bezogen auf diesen Montag kostet das dann im Schnitt mal eben mindestens 30 Euro, wenn man es sagen will.
Im Gegenzug gibt es ein paar bunte Blumen.

Wenn der seelige Bischof Valentin von Terni, welcher am 14. Februar 269 u.Z. aufgrund seines christlichen Glaubens - und weil er Verliebte trotz kaiserlichen Verbotes getraut hat (christlich, natürlich - wenn schon, denn schon) hingerichtet wurde, wüsste, was für ein Kommerzkram aus seinem Todestag gemacht wird, wäre er traurig. Er hätte es bestimmt lieber gehabt, wenn sich die Menschen seiner selbst und er von ihm vertretenen Werte erinnern.
Wo er doch schon seinen Namen für das ganze Tohuwabohu gibt.

Bevor jetzt allerdings der Eindruck entsteht, es würde sich tatsächlich und eigentlich um einen christlichen Feiertag handeln, schnell noch der Hinweis darauf, dass es tatsächlich an dem ist. Allerdings wird hier nicht dem Bischof Valentin gedacht, sondern dem heiligen Kyrill. Valentin ist aufgrund seines niederen Ranges und der historisch nicht gesicherten Legende um ihn herum 1970 aus dem katholischen Generalkalender verschwunden.

Verschwunden?
Nein. 20 Jahre später taucht er wieder auf, der Schlingel. Wenn schon die Kirche nicht mehr des renitenten Ehestifters gedenken mag, so tut es denn der Blumenhandel, indem er eine uralte englische Tradition, die mittlerweile im Lande des der unbegrenzten Kommerzes Möglichkeiten zur marketingtechnischen Hochblüte gereift war, einfach in seinen hier und jetzt gültigen Kalender aufnimmt. Dieses Ereignis hat sich über die Jahre durch eine geschickte Imagekampagne und zuckersüße Werbung in unsere Hirne geschlichen, wobei bequemer Weise der Name des alten Feiertages beibehalten wurde.
Kyrilltag klingt ja auch wirklich nicht gerade romantisch...

Betrachtet man sich die Tradition, so kommt man nicht umhin zu fragen, ob die Engländer hier wirklich den Tag der Liebenden feiern - oder nicht vielleicht doch eher frühzeitig schon der Legalisierung von Swingerclubs Vorschub leisten wollten. Ursprung des Ganzen ist nämlich ein Gedicht von Geoffrey Chaucer, welches zwischen 1374 und 1380 u.Z. entstand. "The Parliament of Fowls" (Das Parlament der Vögel) heißt das Machwerk in 100 Strophen, indem der Autor über die Liebe an sich sinniert (ohne zu einer Erkenntnis zu gelangen, was interessant ob der Tatsache ist, dass er, trotz unsicheren Geburtsdaten, zum Zeitpunkt der Niederschrift sowohl um die 40 Jahre alt, als auch bereits etwa 15 Jahre verheiratet war), um sich dann ausführlich über das bunte Treiben der Paarfindung bei den Vögeln zum Ende des Winters auszulassen.
Dies nahmen unsere spleenigen Inselnachbarn, vermutlich diejenigen aus der besseren Gesellschaft, zum Anlass, sich den mittlerweile längst toten Valentin zum Vorbild zu nehmen und Paare auszulosen, die sich dann Blumen schenkten und Gedichte schrieben.
Also nix mit Liebenden, tunlichst sollten die Betreffenden sich bis dato nicht gekannt haben.
Schlawiner, die...

Klar, dass die Briten eine solch lustige Tradition dann mit in die Kolonie nahmen - als sie sich massenweise in die neue Welt absetzten, da es im eigenen Land mittlerweile nicht mehr viel zu lachen gab.

Alles in allem haben wir es also mit einer großartigen Errungenschaft der Demokratie zu tun. Freie Liebe für freie Menschen, welche der großartige Geist amerikanischen Unternehmertums aus den Ketten der gelangweilten europäischen Aristokratie befreit und für das gemeine Volk, mittlerweile ja vorgeblich auch frei, zugänglich gemacht hat.
Herrlich!
Bis auf die Preise. Die bleiben aristokratisch.

30 Euro für Blümchen, echt jetzt!

Mal so gesehen...

© Michael Pils

(Quellen: Wikipedia, Fleurop, Harvard University)