Montag, 12. Dezember 2011

Fabian, oder: Gib mir die Welt - plus 5 Prozent

Der geneigte Leser mag sich jetzt einmal ein Stündchen Zeit nehmen, um sich dieses Video - von dem ich denke, dass es verbreitet gehört - anzusehen. Übrigens durchaus auch für Kinder geeignet.



... Denkt mal drüber nach, und:

Stellt Fragen, verlangt Antworten!

Mal so gesehen...

Sonntag, 27. November 2011

Castor! Mach Sitz! Verdammt!

Oft ist es ja so.
Wenn bei Castor, Pollux, Waldi oder Schnuffi die Erziehung versagt und das verwünschte Vieh sich den Kommandos einfach nicht fügen will, resigniert der Mensch und findet sich mit den schlechten Manieren seines Köters einfach ab.

Nicht so die Menschen im niedersächsischen Wendland - und viele, viele andere, die mit der Politik in diesem Land nicht mehr länger einverstanden sind. Die geben einfach nicht auf, dem randalierendem Biest - in diesem Fall verkörpert durch einen Zug mit Hundenamen und elf Behältern voller höchstradioaktivem Abfall - Einhalt gebieten zu wollen.

Herrje, wie uneinsichtig!
Seit 30 (!) Jahren wird um Gorleben gestritten.
12 Castor-Transporte sind bisher am Ziel im Zwischenlager eingetroffen.
Das müssen die Leute doch merken, dass ihr Protest nichts nützt.

Tun sie aber nicht...

Im Gegenteil:
Jedes Jahr werden die Proteste stärker, Jahr um Jahr stehen mehr Menschen an und auf den Schienen, um sich den hochgefährlichen Transporten und der Staatsgewalt, die gezwungen ist selbige durch die Massen zu prügeln, zu widersetzen. Immer mehr Menschen gehen das Risiko ein, verletzt zu werden, in Gefangenschaft zu kommen und zu Bußgeldern verdonnert zu werden.

Warum?
Und warum war ich dort?

Mir fällt schwer, zu beschreiben was ich in den letzten zwei Tagen erlebt und zu Gesicht bekommen habe.

Ich erinnere mich an die Gespräche mit anderen Demonstranten und  Polizisten am Freitag Abend, auf dem Weg zum - und während der Versammlung am - Lüneburger Bahnhof.
Junge Leute, für die der Wahnsinn rund um die verstrahlten Transporte nur ein Teil des Puzzles ist, die einfach nur die Nase voll davon haben, wie mit ihnen umgesprungen wird.
Eltern, die Angst um das gesunde Aufwachsen ihrer Kinder in einer vergifteten Umwelt haben.
Rentner, die sich eingestehen, dass die Fehler bereits in ihrer eigenen Jugend gemacht wurden und endlich das tun, was sie schon damals hätten unternehmen sollen.
Journalisten auf der Suche nach Anzeichen für Gewaltbereitschaft, denn friedliche Proteste will niemand sehen.
Polizisten, die hier nicht sein wollen und sich zunehmend nicht auf freundliche Gespräche mit Demonstrierenden einlassen dürfen, weil ihre Vorgesetzten ihnen impliziert haben, von vorn herein unerbittlich Stärke zeigen zu müssen.

"Wegen euch und der eurer beschissenen Protestiererei schlag ich mir hier das Wochenende um die Ohren." sagt einer zu mir.
"Ja, geht mir genauso. Echt Mist." lächle ich zurück.
"Warum seid ihr dann hier, ihr könnt doch einfach gehen. Nützt doch eh nichts, der Castor kommt sowieso an, früher oder später."
"Weil er umso später ankommt, je länger wir hier sind."
"Das kostet doch nur Zeit und Geld. Steuergeld," sagt er, "ich halte ja auch nichts von der Endlagerei hier, aber so kostet es uns alle doch nur noch mehr."
"Richtig", erwidere ich, "und irgendwann hoffentlich so viel, dass es keiner mehr bezahlen kann. Spätestens dann wird man sich Gedanken um Alternativen machen. Billigere Alternativen. Was anderes als Geld zählt doch eh nicht."
Nachdenklich zieht er sich auf einen Kaffee zum Mannschaftswagen zurück...

Was so friedlich begann, hielt nicht lange vor.

Nach wenigen Stunden Schlaf, mittags auf dem Weg nach Harlingen versuchen Polizisten uns Demonstranten daran zu hindern, in die Nähe der Gleise zu kommen. Keine zehn Meter von mir entfernt fällt eine Frau zu Boden, ein Polizist geht auf sie zu und sprüht der Wehrlosen Pefferspray ins Gesicht.
Einfach so.
Zwei Männer, die direkt am Geschehen sind, halten den Polizisten fest und entwinden ihm die Pfeffersprayflasche - sofort stürmen drei Kollegen dem Überwältigten zur Hilfe, aufgehalten von einem in der Gruppe anwesenden Juristen und zwei Sanitätern die laut "Notwehr, Notwehr" rufen. Der Jurist weist sich als solcher aus und redet beschwörend auf die Polizisten ein bis die den Pfeffersprayer vom Geschehen entfernen, ich verbleibe mit vor Entsetzen offenstehendem Mund, bis ich von hinten weitergetrieben werde - auf die Gleise zu.
"Wir stellen auf Seiten der Demonstranten eine exessive Bereitschaft zur Gewalt fest."
So äußerte sich ein Sprecher der Polizei gegenüber den Medien später.
Ist das so?
Ich erinnere mich an Polizisten, die knüppelschwingend Menschengruppen eingekesselt haben.
Ich erinnere mich an den Geruch von Pfefferspray in der Luft, an das Brennen in den Augen, wenn der Strahl mich getroffen hat.
Ich erinnere mich an den Polizisten, der mich vom Gleis getragen hat: "Wenn's weh tut, schrei ruhig - hört hier eh keiner...".
Ich erinnere mich an Reiterstaffeln, die ungebremst in Menschengruppen geritten sind, die Leute quasi niedergallopiert haben.
Ich erinnere mich an Sanitäter, die daran gehindert wurden sich um verletzte Demonstranten zu kümmern.
Ich erinnere mich an Journalisten aus aller Welt, die an der Berichterstattung gehindert wurden, wegen "polizeilicher Maßnahmen".

Ich erinnere mich an die bitteren Worte des Polizisten an der Gefangenensammelstelle: "Wer hier unbedingt demonstrieren will, muss damit rechnen, verletzt zu werden. Wer rumheult und nach einem Anwalt schreit, wäre wohl besser zu Hause geblieben!"

Ist das die Methode, mit der meine Grundrechte auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung durch einen Beamten des Staates, dem ich angehöre, geschützt werden? Wenn du deine Rechte in Anspruch nimmst, musst du damit rechnen verletzt, verhöhnt, drangsaliert und eingesperrt zu werden?
Hatten wir das nicht schon mal irgendwann?
Oder zählen die Rechte (auf Profit) der Atomindustrie eben einfach mehr?
Scheint wohl so.

Nun gut, die zahlen ja auch mehr an Steuern als ich.
Vermutlich...

Tja, der Castor ist noch immer nicht in Dannenberg, während ich an diesem Text schreibe.
Immer noch leisten Bürger Widerstand, ketten sich an Gleise, besetzen den Bahndamm, nehmen in Kauf verprügelt und verletzt zu werden. Immer noch versuchen Polizisten der Lage Herr zu werden und setzen zur Abschreckung noch mehr Gewalt ein.
Dieser Transport - der 13. - ist jetzt schon länger unterwegs als jeder andere vorher, trotz verkündetem Atomausstieg und trotz angeblicher neuer Suche nach einem Endlager für den Strahlenmüll wird er heftiger und entschlossener als jeder andere vorher blockiert.
Und er wird teurer als jeder andere vorher werden.

Warum?

Weil, trotz Herrn Röttgens "weißer Karte" für die neue Suche nach einem Endlager für atomaren Müll im neuen Bundeshaushalt nur sieben Millionen Euro veranschlagt sind - für den Ausbau des erwiesenermaßen nicht als Endlager geeignetem Salzstock in Gorleben jedoch 73 Millionen.
Weil das illegal ist.
Weil die Menschen euch Politikern nicht mehr glauben.

Warum ich dort war?
Darum...

© Michael Pils






Dienstag, 22. November 2011

Kommunikationsprobleme und flüchtige Gedanken zu ebendiesen

Wie wollen wir von Politikern Einsicht erwarten wenn wir immer wieder davon reden, dass Menschen sterben wenn sie beschließen Krieg zu führen?

Menschen bedeuten Politikern nichts, der Begriff ist einfach zu allgemein gefasst - sie können sich darunter nichts vorstellen.

Einen "Aha - Effekt" wird es bewirken wenn wir Politikern sagen, dass Wähler sterben - in den Kriegen die von ihnen angezettelt werden.
Ein Wähler zählt, der ist wichtig.

Alles eine Frage der Wortwahl.

Mal so gesehen...

© Michael Pils

Samstag, 12. November 2011

The hardest Part...

Irgendwie will ja jeder was unternehmen, in letzter Zeit, um die Dinge zu ändern.

Nur was?

Wie so oft, gibt es dazu Ideen hier bei den Freizeitrevoluzzern.
Radikale Ideen, aber immerhin. Bequemere fallen mir leider nicht ein.

Was also kann man tun, um den modernen Sklavenhaltern in Politik und Wirtschaft ein Schnäppchen zu schlagen?

Schauen wir mal...

Du hast ein Girokonto bei einer Bank?
Prima.
Räum es leer!
Banken legen Dein Geld nicht in den Keller und bewahren es dort warm und dunkel auf - mit der Kohle wird gearbeitet. Dein Geld wird investiert, um den Gewinn der Bank zu mehren.
Somit wandert dein sauer verdientes in risikobehaftete Geschäfte mit Unternehmen und Staaten, in Waffengeschäfte und Kriegsfinanzierungen, in Immobilien- und Grundstückkäufe, und weiß der Teufel, was Banken sonst noch so treiben.
Räum dein Konto leer. Sobald deine monatlichen Zahlungen getätigt sind, hol all Dein Geld - den Rest der noch verblieben ist - zu dir nach Hause. Zinsen gibt es auf dem Girokonto eh nicht.

Du benutzt Payback Karten und andere Bonussysteme, zahlst mit deiner EC Karte und beantragst für 10% Rabatt beim Einkauf freimütig in jedem Eckladen eine Kundenkarte?
Lass es!
Zahle bar, wo es geht und verzichte auf Payback Punkte. Einen Rabatt bekommst Du auch ohne Karte. Du musst nur fragen.
Es ist natürlich Deine Sache, wenn du gerne ungefragt Werbepost bekommst oder Deinen Emaileingang bevorzugt mit Spam vollmüllen lässt - auf der anderen Seite jedoch unterstützt Du durch die Verwendung elektronischer Zahl- und Rabatt-, oder Bonussysteme einen gewaltigen Überwachungsapparat, mittels dessen jetzt schon die Möglichkeit besteht, Dich nicht nur auf Schritt und Tritt zu beobachten, sondern auch Dein Konsumverhalten, Deine Zahlungsmoral, Deine bevorzugten Einkaufsorte - und was Du dort kaufst - und zudem noch Deine jeweiligen Aufenthaltsorte und die Zeit Deines Aufenthaltes genauestens nachzuvollziehen.
Und das in Zeiten, wo Polizisten ihre Namensschilder überkleben und Politiker ihre Nebeneinkommen nicht öffentlich machen wollen.

Du nutzt einen Internetzugang, der auf Deinen Namen läuft?
Verwische Deine Spuren!
Vielleicht ahnst Du nicht, was Du alles beim Besuch einer Webseite hinterlässt.
Es reicht, um Dich im Zweifel bis an Deine Haustür zu verfolgen. Du bist nicht anonym im Netz, und jeder, der Dir das weismachen will, ist ein Lügner. Natürlich hast Du nichts zu verbergen, als anständiger Bürger. Aber das heißt ja noch nicht, dass Du deswegen bei allem, was Du tust, Zuschauer zulässt.
Dann kannst Du Dich auch nackt ans Fenster stellen...
Nutze einen Proxy. Damit läuft die Verfolgung Deiner Identität im Netz ins Leere.
Wenn Du nicht weißt, wie - frag.
Im Zweifel mich.

Du arbeitest für eine Behörde, oder fürs Militär?
Kündige!
Räum Deine Scheißegalhaltung beiseite und werde Dir bewusst, was Du tust, wenn Du das System durch Deine Arbeitskraft unterstützt. Da Du ja selber weißt, was bei deinem Arbeitgeber so abgeht, hast Du die besten Gründe für eine Kündigung in der Hand.
Bist Du Soldat, verweigere den Wehrdienst.
Das geht, auch wenn Du schon eine Weile dabei bist. Argumentiere damit, dass Du es nicht mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst, als Diener fremder Herren (als Soldat kämpfst du nicht für Dein Volk - das will nämlich keinen Krieg - sondern für Rüstungsunternehmen, Ölkonzerne und Geheimdienste) in nicht erklärte - und somit gegen jegliches Völkerrecht verstoßende - Kriege zu ziehen.
Als nächstes ist übrigens der Iran dran.
Wenn Du da in der Wüste liegst und krepierst, frag dich mal, woher ich das jetzt schon wusste - und ob da nicht doch was dran war, was ich hier schrieb.

Du sitzt in deiner Freizeit oft vor der Glotze und lässt Dich gezwungener Maßen vom dort vorherrschendem Programm verdummen?
Schalt den Fernseher aus!
Verbringe Deine Zeit mit Sport, Deiner Familie und Freunden, oder beteilige Dich an sozialen Projekten auf freiwilliger Basis.
Wer da so gar keine Vorstellung hat, was man machen könnte ist herzlich willkommen in der Freiwilligenagentur seiner Heimatstadt.

In diesem Sinne kannst Du dann auch gleich den Computer ausschalten und ein bisschen an die frische Luft gehen. Oder sonstwo hin. Mich geht das ja nichts an...

Mal so gesehen...
©  Michael Pils


Ein Hinweis für die Besucher, die sich über den Rechner des Bundesamtes für Internetsicherheit regelmäßig hier aufschalten:

Dieser Beitrag ist im Sinne der geplanten Änderung des Begleittextes zum Gesetz zur Bekämpfung von Terrorismus (TBEG), in der zukünftig auch friedliche Protestformen als Aufstachelung erfasst und somit in die Verbindung zum Terrorismus gerückt wird, als Aufstachelung im Sinne des erwähnten Gesetzestextes zu verstehen und bringt den Autor somit in Verbindung zum Terrorismus, bzw. der Unterstützung dessen.

Freitag, 21. Oktober 2011

Neulich, viertel vor 11 im Bundeskanzleramt


Stille...

Eine der letzten Fliegen des Sommers zieht leise brummend ihre Kreise über die Köpfe der Elite unseres Landes. Leise gluckernd schenkt Frau Merkel sich ein halbes Glas Mineralwasser nach.
Evian.
Nur vom besten für die besten.

In seiner aus dem Fenster schauenden Kontemplation durch das leise Kratzen von Fingernägeln über die mittaglichen Bartstoppeln Herrn Schäubles gestört, wirft Phillip Rösler einen ärgerlichen Blick in die Runde.
Gelangweilt quittiert Anette Schavan sowohl das eine, als auch das andere mit dem Anflug eines Gähnens.

Schäuble, der alte Prolet...

"So geht das nicht weiter, Kolleginnen und Kollegen!" erhebt Rösler endlich die Stimme. "Wie sollen wir mit dieser Anweisung von oben..." - schnell wirft er einen Blick zur Kohlensäurebläschen zählenden Kanzlerin - "...Ich meine, mit der Bitte des Bankenkonsortiums, die Bürger von diesen unangenehmen Geschichten rund um die finanzielle Lage abzulenken, umgehen?"
"Ja, was sollen wir tun?" fragt Frau von der Leyen mit halbwegs interessiertem Augenaufschlag.
"Totschweigen wird nicht ewig funktionieren", wagt Kristina Schröder in die Runde zu werfen, "die Leute sind ja nicht blöd."

Spöttische Blicke von allen Seiten dreschen wie Knüppel auf sie ein. Dummes, junges Ding - was weißt du denn?

Mit selbstsicherer Langsamkeit bringt Angela Merkel sich in eine aufrechte Position, den Blick bedauernd von den immer noch im Glas aufsteigenden Gasperlen abwendend: "Einer muss den schwarzen Peter nehmen." Fast flüsternd, in aufreizend dominanten Ton macht sie sich vernehmbar.

Plötzlich herrscht gespannte Aufmerksamkeit im Raum. Die Cheffin hat offensichtlich etwas beschlossen, sie wird den Karren aus dem Dreck fahren. Jeder hat ihr das zugetraut; man hat geradezu auf den entscheidenden Moment gewartet.

"Ramsauer", spricht sie den amtierenden Verkehrsminister direkt an, den Blick fest und entschieden auf selbigen gerichtet, "wie läuft denn alles so im Verkehrsministerium, hm?"
Vor Nervosität erschauernd antwortet der soeben erwählte: "Danke, gut soweit. wir liegen im Budget, die Verkehrswege sind in einem guten Zustand, die Maut wird akzeptiert und den Rest können wir auf die Bahn abschieben, die macht sich gern unbeliebt derzeit. Es ist alles im grünen Bereich, würde ich sagen - ohne jetzt genaue Zahlen im Kopf zu haben."

"Eben".
Frau Merkel lässt ein Lächeln aufblitzen. Kaum merkbar und nur von Eingeweihten zu deuten.
"Eben, eben, lieber Ramsauer. Sie sind recht beliebt geradezu, wie die Meinungsumfragen verlauten lassen, wie?"
"Nun, Frau Bundeskanzler, ich bin relativ neu im Amt. Ich hatte noch keine wirkliche Chance, mich unbeliebt zu machen", versucht er zu scherzen.

Doch das selbstironische Grinsen bleibt ihm im Halse stecken, als ihm klar wird, worauf das vermeintliche Lob seiner Cheffin hinausläuft.

"Sagen Sie", übergeht Merkel den naiven Scherz ihres Ministers mit einem freundlichen Lächeln, "wie stehts eigentlich um die Verkehrsunfallstatistiken, so ganz allgemein gesehen?"
"Oh, ich müsste mir die aktuellen Zahlen schnell kommen lassen", antwortet der Delinquent, "aber ganz im Allgemeinen haben wir eine Abnahme inbesondere der Unfälle mit Todesfolge, und zwar bei steigendem Verkehrsaufkommen." 
Nun glaubt er sich wieder sicher im Sattel, seine Miene entspannt sich sichtlich.

"Auch bei den Fahrradfahrern, Ramsauer?" flötet Merkel harmlos hinterfragend.
"Gerade dort, Frau Kanzler. Die Aufhebung der Benutzungspflicht für Radwege hat dafür gesorgt, dass Autofahrer nun eher auf Radfahrer aufpassen, offensichtlich."
"Ah ja. Sehr schön. Sagen Sie, gab es da Ende der 70er Jahre nicht mal die Diskussion um eine Einführung der Helmpflicht für Radfahrer?"
"Ja, gewiss, aber das war ja sozusagen ein Schuss in den Ofen. Neben der Tatsache, dass durch Studien erwiesen wurde, die Helmpflicht würde sich negativ auf die Bereitschaft mit dem Rad, statt dem Auto zu fahren auswirken, stellte sich durch diese Studien ebenfalls heraus, dass der Helm an sich in Bezug auf die Verletzungsstatistik eine völlig untergeordnete Rolle spielt. Außerdem war die Akzeptanz der Idee bei der Bevölkerung gleich null."
"Ach, sieh an..." Die letzten Worte seiner Ausführung hat die Kanzlerin mit einem geradezu begeisterten Gesichtsausdruck zur Kenntnis genommen. Ein würdevolles Gesicht aufsetzend richtet sie sich zu voller Größe auf.
"Damen und Herren Minister, ich bin der Meinung, wir müssen unsere radfahrenden Bürger vor dem Restrisiko des öffentlichen Straßenverkehrs dadurch bewahren, dass wir eine Helmpflicht gesetzlich verankern. Stimmen Sie mir da zu, Herr Ramsauer?"

"Nun, Frau Kanzler, die Unfallstatistiken..."
"Die Statistiken für dieses Jahr haben ja nun noch keinerlei Aussagewert. Das Jahr ist ja noch nicht zu Ende, nicht wahr? Herr Ramsauer?"
"Ja, äh..."
"Gut, dann wäre das ja geklärt. Schäuble, Sie nehmen Kontakt mit den Banken auf und berichten denen, Kollege Ramsauer hätte sich etwas einfallen lassen, um die Bürger zu beschäftigen. Herr Pofalla, Sie sorgen bitte dafür, dass die Medien gebührend Anteilnahme am Vorschlag des Kollegen nehmen und Sie, Frau Aigner, werden als Verbraucherschutzministerin schon mal eine entgegengesetzte Meinung verfassen, damit den Leuten klar wird, dass sie das Ganze Geld kostet. Abschließend möchte ich mich für die fruchtbare Zusammenarbeit mit allen Gremien bedanken und - Ramsauer", ein Zwinkern huscht der Kanzlerin über das Gesicht, "- ganz großes Kino, wirklich! Gute Arbeit, sehr mutig!"

--

Natürlich habe ich tatsächlich absolut keine Ahnung, was neulich um viertel vor elf im Bundeskanzleramt passierte.
Vermutlich gar nichts.

Gut vorstellen kann ich mir die Szene aber schon.
Zumindest wäre es eine Erklärung dafür, wie ein Bundesminister in Zeiten wie diesen, wo uns so langsam aber sicher bewusst wird, dass das Wasser uns bereits bis zum Hals steht, auf einen solchen Dummfug kommt den Bürger dazu zu verdonnern, zukünftig mit Plastikhelmchen auf dem Kopf zur Arbeit zu Radeln.
Pleite zwar, aber immerhin mit geschütztem Kopf.

Danke, für die lustige Ablenkung vom alltäglichen Ruin, Herr Ramsauer - mal so gesehen.

©  Michael Pils

Donnerstag, 9. Juni 2011

Die Würde des Menschen ist unantastbar.



„Die Würde des Menschen ist unantastbar. 
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“



So steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 1; Absatz 1) geschrieben.

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html


Auch bei Wikipedia gibt es etwas zum Thema "Menschenwürde" zu finden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde



... und ...



Wie schaut die Umsetzung, wie wir es erleben können, aus?



Die Würde des Menschen, wird in diesem Rechtsstaat nur dann geachtet, so lange er für den Sinn und Zweck dieses Staates funktioniert. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, darf der Mensch sich glücklich schätzen, wenn seine Daseinsberechtigung toleriert wird. Sollte der Mensch es dennoch wagen irgendeinen Anspruch geltend zu machen, wird er mit Demütigungen und Entwürdigung geächtet und gestraft.




http://www.european-news-agency.de/mixed_news/glueckstadt_die_wuerde_des_menschen_ist_unantastbar-46160/



Armes Deutschland!




© by Emma (9.6.2011)

Montag, 11. April 2011

Im Ostern nichts neues

Heute früh hatte ich das Gefühl, dass mich zu wenige Menschen hassen.

Also beschloss ich, diesen Zustand zu ändern und es mir mit diesem Eintrag bei der anteilsmäßig größten Bevölkerungsgruppe in diesem Land zu verscherzen.

Hallo Christen!

Fangen wir also gleich an:
Wer war zuerst da? Das Huhn, oder das Ei?

Der gewiefte und gebildete Leser weiß natürlich, dass er mit dieser Frage kurz aufs Glatteis geführt werden soll, um dann im weiteren Verlauf komplett ins Straucheln zu geraten.
Auf so etwas ist man ja vorbereitet, wenn man hier regelmäßig liest.
Natürlich kann die Antwort nur lauten, dass diese Frage eher philosophischer, denn biologischer Natur ist und im engeren Sinne nicht abschließend geklärt werden kann, da beide Parteien kausal miteinander eng verwoben sind und in einem existenziellen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Selbst rein biologisch gesehen ist die Entwicklung von Huhn und Ei wahrscheinlich evolutionstechnisch parallel zueinander gelaufen, solange es explizit um das Hühnerei geht.

Hey, das war gut!
Weiter gehts - wer war zuerst da? Der Hase, oder das Ei?

Aha! Es geht um Ostern. Jetzt wird es kritisch, dem blöd-Frager steht doch bestimmt etwas bitter provokantes im Sinne. Also immer schön sachlich bleiben.
Rein metaphorisch betrachtet sind Hase und Ei saisonal populäre Symbole der Fruchtbarkeit, des Frühlings, des wieder erwachenden Lebens. Beim Ei ist klar, wieso das so ist. Schließlich ist das Ei der Ursprung, die Keimzelle des Lebens. Beim Hasen, der eigentlich ein Karnickel ist, wird es verständlich, wenn man dabei den Sinnspruch "die vermehren sich wie Karnickel" im Kopfe hat - oder sich vor Augen führt, dass männliche Kaninchen "Rammler" heißen. Fruchtbarkeit, erwachendes Leben - alles Symbole, die zu Ostern besonders aktuell sind. Letztendlich kommt es also auf die Versinnbildlichung an, und nicht darauf, welches Symbol von beiden zuerst da war.

Aha, soso.
Nun denn: Was war zuerst da? Jesus, der Hase, oder das Ei?

Wie bitte? Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Wie kann man denn diesen Vergleich überhaupt ziehen? Natürlich war Jesus noch vor den Ostersymbolen da, denn schließlich feiern wir Ostern ja wegen ihm. Er hat Ostern zum höchsten christlichen Fest bestimmt, wir feiern zu diesem Fest seinen Leidensweg, die Passion, sowie die Kreuzigung, als sowohl auch die Auferstehung des HERRN.

Ach, ist das so?
Mit Hasen und Eiern?

Was nun feiern wir jetzt eigentlich wirklich?
Und warum mit diesen seltsamen Symbolen?

Zuerst einmal: Jesus war, wenn man die Zeitrechnung die auf seiner Geburt basiert zugrunde zieht, bereits etwa 300 Jahre lang tot, als Ostern in der Form, wie wir es heute feiern, während des Konziles von Nicäa (Nizza) als höchstes christliches Fest initiert wurde. Auf diesem Konzil wurde, nebenbei bemerkt, auch erst seine Gottgleichheit beschlossen. Es wurde bestimmt, was in die Bibel kommt - und was besser nicht, und der Papst wurde als unfehlbar bestimmt.
Daher zweifelt heute auch niemand mehr an dem, was damals vereinbart wurde.

Das Osterfest wird im lateinischen mit "Pascha" bezeichnet, was sich vom hebräischen "Pessach" ableitet.
"Pessach" ist das Passah-Fest der Juden, mit dem sie den Auszug aus Ägypten feiern.
Ostern und Passah haben also nicht nur den gleichen lateinischen Namen, sondern finden zum gleichen Termin statt, nämlich am Wochenende nach dem ersten Frühlingsvollmond.
Das macht Sinn, denn schließlich haben die Römer (nicht die Juden) den Thronanwärter Jeschuah ben Josef ben David am Tag vor dem Sabbat des Passahfestes zu Tode gefoltert.  Am Karfreitag.
Samstag ist dann der Tag der Grabesruhe - und am Sonntag findet die Auferstehung statt.
Zumindest in den Passionsspielen.

Aber was haben Hase und Ei damit zu tun?
Richtig.
Nichts!
Ebensowenig wie der Name "Ostern".

Der bedeutet nämlich vermutlich nicht, wie von christlicher Seite proklamiert, soviel wie "Osten" - also die Himmelsrichtung, aus der die Wiederkehr des gottgewordenen Jesus zu erwarten sei.
Eher leitet er sich von "Ostara", oder "Eostre" ab. Erstere war die Liebesgöttin der alten Germanen, letztere die Fruchtbarkeitsgöttin der Angeln und Sachsen. Beide wurden entweder in Begleitung eines Hasen oder Hasenköpfig dargestellt. Und zwar in weit vorchristlicher Zeit.
Auch das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit spielte, nicht nur im europäischen Kulturraum, lange vor Christi Geburt schon eine große Rolle - selbst das Färben der Eier wurde in Grabbeigaben schon zu sumerischer Zeit nachgewiesen.

Germanische Götter, sumerische Fruchtbarkeitssymbole...
Wie lautet gleich nochmal das dritte Gebot der Christenheit?

"Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation..."

Oh je!
Geschäfte voller Schmunzelhasen, Kinder die Eier färben und am Sonntag auf der Suche nach selbigen andächtig durch den Garten streunen. Gestecke mit Frühlingsblumen und Eiern und Hasen an jeder Tür, auf jedem Tisch.
Und sowas an Ostern. Oder Passah. Oder wie heißt es jetzt wirklich?
Das wird ihm nicht gefallen, dem Eifersüchtigen.

Mir schon.
Mal so gesehen...

© Michael Pils

Quellen:
Wikipedia
Feste der Religionen
Punctum
Bibel Online
Gesunder Menschenverstand